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Elternzeit-Ratgeber

Liebe (werdende) Eltern,

Ihr denkt vielleicht: „Ach, schon wieder so ein Ratgeber…“
Aber: Dieser Elternzeitblog ist anders.

Die Elternzeit, diese kostbare, turbulente Phase eures Lebens hat so viele Facetten. Sie birgt aber auch Stolpersteine, von denen wir einige für euch gesammelt haben. Wir möchten euch einen Überblick zum Thema verschaffen und haben hoffentlich alles zusammengetragen, was für euch wichtig sein wird.
Es gibt viele verschiedene Möglichkeiten eure Elternzeit zu nutzen – der Eine sieht sie als gemeinsame Auszeit mit dem Kind, die Andere entwickelt sich von der jungen Frau zur fürsorglichen Mutter, ein Anderer wiederum kann in seiner Elternteilzeit Familie und Beruf vereinen. Am wichtigsten erscheint uns jedoch, dass ihr diese Zeit so verbringt, dass es für euch und euer Kind eine gemeinsam wertvolle Zeit ist.
Wertvoll empfundene Elternzeit, das bedeutet für uns auch, dass die Elternzeit so vielfältig bunt ist, wie wir – als Familien, als Menschen.
Jede*r sollte die Elternzeit verbringen, die zu ihm/ihr passt. Glaubt ihr nicht? Dann stöbert gern hier auf dieser Seite.

Herzlichst, euer Team des Familienzentrums Radebeul

P.S.: Wir begleiten euch herzlich gern in eurer Elternzeit und darüber hinaus mit Beratungsangeboten, Kursen (wie PEKiP) und Entspannungsangeboten

So ist die Elternzeit eben...

Irrtümer oder Wahrheiten?

Irrtum.

Das Leben verändert sich vollständig, wenn euer Kind auf der Welt ist.
Gebt ihm Zeit, anzukommen und euch selbst, um in die Elternrolle hineinzufinden.

Eure Partnerschaft erweitert sich um die Mutter- bzw. Vaterrolle, ohne die Partnerrolle abzulösen. Eine gute Paarbeziehung ist die Grundlage für die Entwicklung der Liebesfähigkeit des Kindes.

"Ehe man eigene Kinder hat, hat man nicht die leiseste Vorstellung davon, welches Ausmaß die eigene Stärke, Liebe oder Erschöpfung annehmen kann." Peter Gallagher

Irrtum.

Aber: Ja, an manchen Tagen mag sich das als frischgebackener Vater so anfühlen. Schließlich heißt das Weinen des Kindes sehr oft: Ich will zu meiner Mama. Ich habe Hunger. Stillen und mütterliche Nähe sind dann in manchen Momenten einfach der entscheidende Trost. Schließlich lebten Mutter und Kind über 9 Monate lang sehr eng zusammen. Sie haben jeden Moment gemeinsam erlebt, spürten den Herzschlag des Anderen und waren die ganze Zeit innig verbunden. Nach der Geburt ist für die beiden erstmal alles anders. Das erschreckt, das irritiert, das fühlt sich komisch an.

Lass deinen Lieben Zeit, die körperliche Trennung durch die Geburt zu bewältigen. Und lass euch beiden Zeit, euch als Vater und Kind besser kennen zu lernen. Dein Kind weiß, wer du bist! Schließlich hast du die großen warmen Hände, die auf Mamas Bauch lagen. Du bist die tiefe Stimme, die Mama während der Schwangerschaft Trost gespendet hat, bei der Mamas Herz ganz oft einen Sprung gemacht hat und die die schönsten Geschichten und Pläne durch Mamas Bauch geflüstert hat. Dein Kind und deine Frau brauchen dich – gleich von Anfang an. Vielleicht fühlt es sich erstmal nur wie die zweite Geige an, aber bald wird dein Kind ganz allein auf deinem Bauch schlafen und deine Frau neben dir …

Irrtum.

Alles über dein Kind herauszufinden, ist ein langer Lernprozess. Verlass dich auf deine Intuition und gib dir Zeit, dein Kind kennen zu lernen.
Vertrau dir, dass du die Signale deines Kindes wahrnimmst, richtig deutest und angemessen darauf reagierst.
Vertrau deinem Kind, dass es dir seine Bedürfnisse zeigt.

Es ist gut, viel über die Bindung und die Entwicklung eines Kindes zu wissen, aber der Austausch mit anderen Eltern kann durch Bücher nicht ersetzt werden.

"Eine glückliche Mutter ist für die Kinder segensreicher als 100 Lehrbücher über Erziehung." Johann Heinrich Pestalozzi

"Das wirkungsvollste Vertrauen ist das Vertrauen in sich selbst." Willy Meurer (1934 - 2018)
 

Irrtum.

Für dein Kind ist ein perfekter Haushalt uninteressant. Klinisch reine Räume verhindern die Entwicklung des Immunsystems deines Kindes. Darauf die Elternrolle auszufüllen, darf ich stolz sein. Solange die Gesellschaft mir die Anerkennung dafür nicht angemessen gibt, darf und muss ich sie mir selbst geben.

Deine Kinder werden sich nicht daran erinnern, ob es ordentlich war, sondern ob du Zeit für sie gehabt hast. Mia Friesen
 

Tipp:

Am besten nutzt du die Schlafzeiten deines Kindes aus, um dir selbst auch Ruhepausen zu gönnen. Bitte für Alltagsaufgaben andere um Unterstützung, um Freiräume für dich allein zu schaffen. Besinne dich auf das, was dir gut tut.

Was ohne Ruhepausen geschieht, ist nicht von Dauer. Ovid (43 v. Chr. - 17 n. Chr.)
 

Irrtum.

Lass dich von deinem Kind bewusst anrühren und lass das eigene Kind in dir zum Vorschein kommen.
Du kannst deinen Alltag abwechslungsreich und auch nach deinen Bedürfnissen gestalten, ohne die Bedürfnisse deines Kindes zu missachten (und umgekehrt).

Dein Kind aktiv zu beobachten, hilft dir, es kennen zu lernen – Langeweile wirst du auf diese Weise nicht erleben.

Knüpfe und pflege soziale Netzwerke (Familie, Freundeskreis, Eltern- Kind- Treffs). Das schützt dich vor Vereinsamung und bringt dir Austausch und Unterstützung.

  • Ein Kind ist ein Buch, aus dem wir lesen und in das wir schreiben sollen. Peter Rosegger
  • …Kinder sind weder Gefäße, die gefüllt, noch Flammen, die entzündet werden wollen: Sie sind ein brennendes Feuer, das nicht gelöscht werden sollte. André Stern
     

Irrtum.

Schon Maria Montessori stellte fest „Das Kind muss nicht gebildet werden, es bildet sich selbst.“

Das Spiel ist der Lernweg des Kindes. Es schafft sich im Spiel ein Stück eigene Realität. Einfachstes Spielzeug oder Alltagsgegenstände unterstützen es dabei. Ein vorgegebenes oder vorgeschlagenes Spiel fesselt das Kind meist weniger als ein selbstgewähltes. Im Idealfall tauchen Eltern einfach mit ein ins Spiel.

Ein zweiter Lernweg ist die Nachahmung. Deshalb ist es für ein Kind am spannendsten, bei allen Elternaktivitäten, z.B. beim Essenkochen, einfach dabei zu sein.

Im Kleinkindalter sind andere Kinder interessant, aber der Kontakt zu ihnen ist noch nicht notwendig für die eigene Entwicklung. Ein Kleinkind kann sich erst auf andere Kinder/Personen einlassen, wenn es sich sicher sein kann, dass seine Eltern zuverlässig da sind, um auf alle seine Bedürfnisse einzugehen.

  • Der Mensch spielt nur, wo er in voller Bedeutung des Wortes Mensch ist, und er ist nur da ganz Mensch, wo er spielt. Friedrich von Schiller (1759 - 1805)
  • Die Quelle alles Guten liegt im Spiel. Friedrich Wilhelm August Fröbel (1782 - 1852)
  • Spiel ist notwendig zur Führung eines menschlichen Lebens. Thomas von Aquin (1224 - 1274)

Tipp:

Es ist hilfreich, während der Elternzeit Kontakt zu den Kollegen zu halten, um einerseits die Beziehungen zu ihnen zu pflegen und andererseits informiert zu sein über Entwicklungen und Veränderungen am Arbeitsplatz. Auch vom Arbeitgeber kann man sich informieren lassen und auf diese Weise sein Interesse zeigen.

Wenn es dir und deinem Kind gut tut, kannst du Fortbildungen besuchen, um nicht vollständig aus dem Arbeitsleben auszusteigen. Oder du nutzt die Elternzeit, um über eine berufliche Neu- oder Umorientierung nachzudenken

  • “Es könnte für uns alle von Gewinn sein, einzusehen, dass auch ein Leben ohne Karriere wertvoll sein kann, dass es nicht gleichbedeutend mit Sozialschmarotzertum ist.” Karin Beier, dt. Theater-Regisseurin und Schauspielerin
  • „Karriere ist etwas Herrliches, aber man kann sich nicht in einer kalten Nacht an ihr wärmen.“ Marilyn Monroe, amerikanische Filmschauspielerin
     

O-Töne von Eltern

im Rückblick auf die Elternzeit

  • dass man sich schon sehr früh um einen KiTa-Platz bzw. Tagesmutter/-vater kümmern muss
  • Rechte von Arbeitnehmer*innen in Elternzeit (Kündigungsschutz, …)
  • dass Elternzeit auch anstrengend ist
  • mehr Aufklärung über Mindestelterngeld
  • wie wenig Unterstützung bzgl. Politik (Arbeit/Geld) vorhanden ist, wenn man sich gegen Modell 1 entscheidet
  • bessere Strategien, sich selbst nicht zu vergessen
  • dass das zweite Jahr als Arbeitslosigkeit zählt und man dann beim zweiten Kind nur den Mindestsatz bekommt
  • mehr staatliche Unterstützung, wenn man länger als 1 Jahr in Elternzeit ist
  • mehr Verständnis/Toleranz vom Arbeitgeber
  • ohne Wertung seine Entscheidung kundgeben zu können, Toleranz/Akzeptanz – keine „blöden“ Hinterfragungen
  • höhere Beiträge für Mindestelterngeld
  • dass diesen Schritt mehr Eltern gehen
  • Unterstützung bei EG- Antrag (Bearbeitung) von der EG- Stelle – mehr Mitarbeiter einstellen, die helfen können
  • mehr gesellschaftliche Offenheit für eine Elternzeit bis mindestens zum 2. Lebensjahr
  • Aufklärung zur Bindungsorientierung
  • dass beide Elternteile (besonders der Papa) noch mehr/besser die Möglichkeit auf Elternzeit hätte – als Paar 4-6 Elternzeitmonate incl. Unterstützung (Elterngeld)
  • mehr Verständnis von der Familie/Bekannten
  • mehr Verständnis für 2 Jahre daheim in der Gesellschaft/Arbeit
  • Kleidertausch oder Austausch von Dienstleistungen (gem. planen?)
  • dass man nicht mit mehreren Kindern hintereinander benachteiligt wird und
  • dass das Mutterschutzgeld nicht hinten wieder abgezogen wird und man 2 Monate kein Geld bekommt
  • mein Kind kennenlernen und ganz viel Zeit für die Familie zu haben
  • Zeit für Familie und Hobbys/Freunde/Interessen
  • Selbstverwirklichung
  • Liebe – viel geteilte und erfahrene Liebe
  • Eine liebevolle, sichere Bindung aufbauen
  • das Leben durch Kinderaugen sehen und erfahren
  • die kleinen Dinge, wie ein Lachen wertzuschätzen
  • sehr wenig Schlaf
  • ganz neue Rolle finden, ein- und annehmen (Umgang mit psychischer Belastung)
  • eine Zeit in Dankbarkeit und den Blick für Prioritäten im Leben, Zeit der Selbsterkenntnis im Rahmen von Familie
  • Dankbarkeit über die Möglichkeit, diese Zeit zu haben; wichtige Zeit für die Familie – Organisation, Rücken freihalten
  • schöne Zeit und Begleitung vom/im Familienzentrum
  • Zeit für die Kinder, jede Entwicklung bestaunen und schöne Kurse in der Fami

Interviews

Interview mit Burghard Meissner, Geschäftsführer der B.KRAUSE GmbH

Welche Erfahrungen haben Sie bisher mit dem Thema Elternzeit bei Ihren Mitarbeiter*innen gemacht? Konnten Sie diesbezüglich einen Wandel beobachten?

Als Arbeitgeber in einer kleinen Firma (zwischen 10 und 20 Beschäftigte) finde ich Elternzeiten schwierig. Aufgrund langer Einarbeitungs- und Ausbildungsphasen sowie befristeter Arbeitsverträge, die selten angenommen werden, gibt es kaum Ersatz für ein Jahr. Das bedeutet, dass ich als Chef die Arbeit der/des Angestellten ersetzen muss. Für meine familiäre Situation heißt das dann viel Entbehrung. Da wünsche ich mir mehr Unterstützung von Seiten des Staates, der insbesondere kleinere Firmen in den Blick nimmt.

Ich beobachte den Wandel, dass mehr Väter in Elternzeit gehen, allerdings nur bis zu einem Vierteljahr.

Wie positioniert sich Ihr Unternehmen zum Thema Elternzeit?

Prinzipiell positiv, hier ist eine kleine Firma von Vorteil. Es ist wichtig im guten Kontakt mit seinen Mitarbeiter*innen zu sein, dann kann die Durchführung der Elternzeit frühzeitig besprochen und langfrisitg geplant werden. Das ist eine Entlastung für das gesamte Unternehmen.

Wie ist Ihrer Schätzung nach die prozentuale Verteilung hinsichtlich der Inanspruchnahme von Elternzeit durch Frauen und Männer?

Ca. 70% Frauen und 30 % Männer.

Wie lange nehmen Ihre Mitarbeiter*innen durchschnittlich Elternzeit? Wie lange Frauen, wie lange Männer? Ausschließlich nach Geburt des Kindes oder auch später?

Generell gehen die Mütter 1 Jahr in Elternzeit, die Ausnahme ist 2 bis 3 Jahre. Tendenziell nehmen mehr Väter Elternzeit in Anspruch, aber nur 2 bis 3 Monate.

Wie realisieren Sie den Personalersatz für den/die Mitarbeiter*in in der Elternzeit?

Personalersatz ist schwierig, da es spezielle Fachbereiche der Mitarbeiter*innen gibt. Eine Einstellung befristet für ein Jahr lohnt sich nicht, da es mindestens einer einjährigen Einarbeitungsphase bedarf. In der Regel passiert der Ersatz durch mich selbst.

Spüren Sie bei Ihren Mitarbeiter*innen nach der Elternzeit Veränderungen, die sich auf ihren Arbeitskontext auswirken? Wenn ja, welche?

Ja, sehr unterschiedliche: Manche Mitarbeiter*innen kehren aus der Elternzeit zurück und brauchen eine gewisse Zeit, um wieder neu zu starten, z.B im IT Bereich. Andere sind innerhalb einer Woche wieder voll im Geschehen drin, z.B. Chefsekretärin.

Generell sind die Mitarbeiter*innen motivierter nach der Elternzeit und wünschen sich neben der Rolle als Eltern wieder neue und alte Aufgaben im Beruf. Einige gehen in den Wochenstunden zurück, um mehr Zeit für die Familie zu haben.

Motivieren Sie Ihre Mitarbeiter*innen dazu, Elternzeit zu nehmen?

Nein, das wissen in der Regel meine Mitarbeiter*innen selbst, welche Rechte und Möglichkeiten sie in der Elternzeit haben.

Können Ihre Mitarbeiter*innen in der Regel nach der Elternzeit an ihrem vorherigen Arbeitsplatz eingesetzt werden?

Prinzipiell ist das immer in unserer kleinen Firma möglich, da auch die Spezialisierungen in der Branche von den Mitarbeiter*innen individuell sind.

Haben Sie weitere Gedanken/Anmerkungen zum Thema?

Auch Arbeitgeber*innen sind Mütter oder Väter und haben ein Recht auf Elternzeit.

Welche Erfahrungen haben Sie bisher mit dem Thema Elternzeit bei Ihren Mitarbeiter*innen gemacht? Konnten Sie diesbezüglich einen Wandel beobachten?
Im Durchschnitt wird für 1 Jahr volle Elternzeit beantragt und danach häufig noch ein Jahr Elternteilzeit mit 30h/ Woche. Die Elternzeit wird auch immer öfter von den Vätern beantragt (Teilmonate volle Elternzeit, sowie Elternteilzeit mit 30h/ Woche ).

Wie positioniert sich Ihr Unternehmen zum Thema Elternzeit?
Wir unterstützen unsere Mitarbeiter*innen bei allen Fragen zum Thema Elternzeit.

Wie ist Ihrer Schätzung nach die prozentuale Verteilung hinsichtlich der Inanspruchnahme von Elternzeit durch Frauen und Männer?

  • Männer: ca. 20%
  • Frauen: ca. 80%

Wie lange nehmen Ihre Mitarbeiter*innen durchschnittlich Elternzeit? Wie lange Frauen, wie lange Männer? Ausschließlich nach Geburt des Kindes oder auch später?
Meist nach Geburt des Kindes. Männer hingegen nehmen gern 1 Monat nach Geburt des Kindes oder später 1-2 Monate.

Wie realisieren Sie den Personalersatz für den/die Mitarbeiter*in in Elternzeit?
Es wird entweder eine volle Stelle Elternzeitvertretung ausgeschrieben oder die Stundenzahl von anderen Mitarbeiter*innen auf Wunsch erhöht.

Spüren Sie bei Ihren Mitarbeiter*innen nach der Elternzeit Veränderungen, die sich auf ihren Arbeitskontext auswirken? Wenn ja, welche?
Viele die eine volle Stelle hatten, kommen mit dem Wunsch auf Teilzeit (meist 30h/Woche) wieder zurück.

Motivieren Sie Ihre Mitarbeiter*innen dazu Elternzeit zu nehmen?
Meist kommt der Wunsch von ganz allein und die Planung der Familie steht schon fest.

Können Ihre Mitarbeiter*innen in der Regel nach der Elternzeit an ihrem vorherigen Arbeitsplatz eingesetzt werden?
Ja, das ist von vornherein so geplant.